Den Besuch der Projekte unseres Vereins, vorgesehen im Herbst 2015,
hatten wir wegen der Wahlen in Burkina Faso (November 2015) verschoben
und wollten im Januar 2016 fliegen. Wegen des Attentats islamistischer
Terroristen auf ein Hotel und ein Lokal in Ouagadougou von Mitte Januar
2016, sahen wir uns erneut gezwungen, den Flug zu verschieben und flogen
deshalb erst am 8. August 2016 nach Burkina.
Nach unserer spätnächtlichen Landung in Ouagadougou wurde uns bewusst, wie
sehr hier die Sicherheitsvorkehrungen, im Zusammenhang mit dem Januar-Attentat,
verschärft worden sind.
Nach dem langwierigen Kontrollprozedere wurden wir, wie üblich bei unseren Ankünften in Ouaga, von unserem Freund Michel Nikiéma erwartet und in sein Heim gefahren. Dort wurden wir auch von Michels Frau Félicité Nikiéma herzlich begrüsst und nach längerem gegenseitigem Erzählen konnten wir uns nach Mitternacht im Gästezimmer zur Ruhe legen.
Einen ersten Vorgeschmack von der intensiven Regenzeit erhielten wir am nächsten Morgen. Mit Blitz und Donner goss es nicht nur in Strömen, sondern sintflutartig während einiger Stunden.
Nach zwei ruhigen Tagen bei unseren Freunden fuhren wir am Donnerstagmorgen, 11. August, – mit Félicité am Steuer ihres alten, aber immer noch fahrtüchtigen Autos – nach Kongoussi, ca. 100 Kilometer nordöstlich von Burkinas Hauptstadt. Während dieser Fahrt blieben wir einigermassen von grösseren Regengüssen verschont. Am Nachmittag mussten wir in Kongoussi über eine sehr unter Wasser stehende Piste nach Sanrgo fahren, um dort unsere Projekte (Schule und Schafzucht) zu besuchen. Wie immer wurden wir von den Verantwortlichen und der Dorfbevölkerung herzlich empfangen. Bei der Rückkehr nach Kongoussi blieben wir im Morast der Piste stecken, und kamen nur dank der Hilfe von drei starken Männern aus dem Dorf heil wieder aus dem Dreck heraus. In unserem Hotel in Kongoussi organisierten wir für den nächsten Tag einen 4x4 mit Fahrer, um vor einer erneuten unangenehmen Überraschung gefeit zu sein. Am zweiten Tag in Sanrgo besuchten wir nochmals unsere beiden Projekte und wurden anschliessend von den Verantwortlichen des Elternkomitees zu einem einfachen Mittagessen in einem Restaurant in Kongoussi (mit dem sinnigen Namen Mont Blanc) eingeladen.
Nach der nochmaligen Übernachtung in Kongoussi holte uns am Sonntagmorgen Monsieur Kinda, der Präsident der APRODES ab, um mit uns nach Loulouka, eines der Dörfer unserer Frauenprojekte (Gemüseplantagen), zu fahren. Dort kamen wir in den Genuss einer Demonstration von Eisengewinnung, wie sie jahrhundertelang, bis vor circa fünfzig Jahren, in den Dörfern Burkinas praktiziert worden war. Es war eine eindrückliche Demonstration, die nicht zuletzt auch durchgeführt wurde, um den jungen Einheimischen das ursprüngliche Handwerk der Eisengewinnung vor Augen zu führen.
Nach Rückkehr am Sonntagabend nach Ouaga blieben wir bis Dienstag bei unseren Freunden. Am Dienstag, 16. August wurden wir vom Präsidenten der Bauerngenossenschaft Association Manegdbzanga (kurz AM), Kassoum Ilboudo, abgeholt. Nach einer Fahrt mit interessanten Erklärungen durch Ouaga 2000 (mit vielen sehr stattlichen Häusern von wohlhabenden Burkinern) kamen wir am Sitz der AM, in Loumbila an. Auch dort war der Empfang wie immer sehr herzlich. Nach Bezug unserer Unterkunft machten wir einen Spaziergang zum von unseren Spendern und Spenderinnen und der Migros finanzierten Gesundheitszentrum (CSPS). Die ganze – nun eingezäunte Anlage – ist beeindruckend.
Wir konnten uns während der nächsten zwei Tage in den Räumlichkeiten des CSPS aufhalten und beobachten, wie Kranke und Ratsuchende behandelt werden (immer mit grosser Geduld , Freundlichkeit und Kompetenz). Das Gesundheitszentrum ist das modernste und leistungsfähigste weit und breit. Wir, d.h. unsere Spenderinnen und Spender und unser Verein, können auf das Gesundheitszentrum stolz sein. Es ist konzipiert mit dem Behandlungshaus, der Apotheke, dem Gebärhaus und zwei Wohnhäusern für die vom Staat bezahlten Gesundheitsfachkräfte.
Empfangen wurden wir auch von der ärztlichen Regionaldirektorin in der Stadt Ziniaré, vom Präfekten der Region (auch sie eine Frau !) und vom Maire (Bürgermeister) der Gemeinde Loumbila. Mit diesem Maire hat es eine besondere Bewandtnis. Es ist Paul Ilboudo, der während 25 Jahren die Niederlassung Solidar Suisse Burkina geleitet hatte. Er hat sich nach seiner Pensionierung im Frühjahr 2016 für die Gemeindewahlen zur Verfügung gestellt. Für Loumbila ist Paul Ilboudo ein Glücksfall mit seiner Erfahrung in Entwicklungsfragen und mit seinem ganzen beruflichen Hintergrund.
Sehr gute Eindrücke erhielten wir beim Besuch unseres Projektes Schafzucht in Tampouikondgo (einem Dorf ca. 50 km von Loumbila entfernt) und der ebenfalls von uns finanzierten Gemüseplantage in Gondré (in der Nähe von Loumbila). Hier zeigt sich der grosse Einfluss der AM, welche von den Begünstigten der beiden Projekte zuerst den Besuch von Kursen in Alphabetisierung und Fachkunde verlangt.
Zum Abschluss unseres Aufenthalts in der AM wurden wir zum Mittagessen in der neu gebauten schicken Hotelanlage Lagon Lodge de Loumbila eingeladen.
Nach Rückkehr am Freitag ,19. August, nach Ouaga zu unseren Freunden, besuchten wir am Samstag mit Michel noch sein Heimatdorf Toézouri mit der fast übervollen Barrage, seine Pflanzungen, sowie eine Plantage, auf welcher Moringa, eine Heilpflanze, kultiviert wird.
Am Montag, 21. August, kehrten wir mit der Air France via Abidjan (Côte d’Ivoire) - Paris in die Schweiz zurück.
Über den Stand unserer Projekte in Burkina gibt der Jahresbrief 2016 Auskunft.
Winterthur, im Oktober 2016
Regina Patrizzi und Peter Schöchlin
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